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Die Pflegeforschung in Deutschland als Chance für die Qualität in der Pflege

Die Pflegeforschung ist ein Teilgebiet der Pflegewissenschaft und dient dem Anwenden, Ausprobieren und Systematisieren tieferer Erkenntnisse und Theorien aus der Pflegewissenschaft. Sie stellt somit eine Disziplin mit akademischem Anspruch dar, welche als Ergänzung zur „herkömmlichen“ Pflegetätigkeit gesehen werden muss. So ist bezüglich der Pflege festzuhalten, dass die meisten Kenntnisse auf Erfahrung und weitergegebenen Wissen beruhen. Das systematische Erfassen von Daten, Methoden und Handlungsoptionen kam erst später auf.

Dabei hat die systematische Pflegeforschung ihre Anfänge bei Florence Nightingale, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts damit beginn, Zahlen zur Pflege zu erfassen und unter anderem Handlungsoptionen aus diesen abzuleiten. Institutionalisiert wurde die Pflegeforschung im Rahmen der Pflegewissenschaft dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts; in Deutschland kam die Pflegeforschung dabei erst in den 1990ern richtig an. Sie ist somit hierzulande als sehr junger Disziplin anzusehen.

Die Pflegeforschung stützt sich auf zwei Grundpfeiler: Zum einen werden qualitativ messbare Erlebnisse betont. Das bedeutet, dass die Verhaltensweisen von Pflegebedürftigen, der Erfolg von Pflegemaßnahmen und vieles mehr erfasst werden. Zum anderen geht es auch darum, große Datenmengen zu generieren. So lassen sich durch eine saubere Erfassung der Daten Aussagen zu bestimmten Gruppen oder Krankheitsbildern treffen. Auch können die Erfolgsaussichten einzelner Pflegemaßnahmen quantifiziert werden.

Die Chancen der Pflegewissenschaft

Die Pflegewissenschaft bildet den theoretischen Oberbau für die Pflege. Dabei werden vor allem Modelle erarbeitet, die es zum Ziel haben, eine maximal effiziente Pflege zu gewährleisten. Dies bedeutet etwa, dass Maßnahmen problemlösend, dass Schmerztherapien sinnvoll, dass Rehabilitationsmaßnahem effektiv sein müssen. Es kann hier auch darum gehen, den Personalschlüssel optimal zu verwerten oder auch darum, unnötige Maßnahmen zu reduzieren und dafür den Fokus auf wirklich wichtige Maßnahmen zu legen. Dabei können die Theorien hochspezifisch sein (sich etwa nur auf den häuslichen Bereich beziehen) oder generalisiert anwendbar sein.

Zugleich beschäftigt sich die Pflegewissenschaft auch ganz allgemein mit den Fragen der Pflege. So geht es nicht zuletzt um die Ausbildung der Pflegekräfte selbst sowie um die Fragen der Zukunft in diesem Bereich. Angesichts der Herausforderungen, vor denen das Pflegewesen gerade in Deutschland steht, sind zukunftsfähige Modelle wertvoller denn je. Auch die können durch Pflegewissenschaftler entworfen werden, um anschließend im Rahmen der Pflegeforschung erprobt zu werden.

Die Pflegewissenschaft geht dabei interdisziplinär vor: Es geht nicht nur um die Pflege an sich (im medizinischen Sinne), sondern es müssen auch weltanschauliche Fragen erörtert werden.

  • Welche Möglichkeiten bieten Religionen (oder religiöse Verbände)?
  • Welches Menschenbild bei der Pflege lässt sich aus theologischen und philosophischen Anschauungen ableiten?
  • Welche Effekte kann die Pflege auf die Psyche haben?
  • Wie steht um es die freie Entfaltung, um Bewegung, um das Bedürfnis nach kreativer Arbeit?
  • Wie individuell muss Pflege sein, damit sie menschenwürdig ist?

Was bedeutet das für die Umsetzbarkeit im gegenwärtigen Pflegesystem?

Doch auch fernab von geisteswissenschaftlichen Ansätzen kann die Pflegeforschung auch ganz praktisch arbeiten. So werden auch Geräte für die Pflege, Rechnungsmodelle und Lehrgänge entworfen. Alle Erkenntnisse können beispielsweise dazu dienen, dass Pflegekräfte mehr Informationen an die Hand bekommen. Gerade statistische Erfassungen mit direktem Bezug zur Pflegeleistung können die Arbeit erleichtern. So können unterschiedliche Optionen miteinander verglichen werden, um eine für den Pflegebedürftigen optimalen Pflegeplan zu entwerfen.

Die Definition der Pflegewissenschaft lässt eine Einordnung als empirische Sozialwissenschaft zu. Im Vordergrund steht immer die Verbesserung der individuellen Pflegesituation, wobei diese Einzelschritte in Theorien und Modelle überführt werden sollen.

Status Quo in Deutschland

Deutschland kennt die akademisierte Pflegewissenschaft noch nicht besonders lang. Dennoch gibt es beispielsweise mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. ein Lehrinstitut für diesen Bereich. Weitere Pflegeforschungsverbände sind bereits gegründet. Dennoch ist die Anzahl der Promotionen in diesem Bereich mit 50 bis 60 Stück im Jahr doch eher als bescheiden im internationalen Vergleich zu bezeichnen. Es herrscht also noch Aufholbedarf, was das Etablieren einer Pflegewissenschaft in Deutschland betrifft.

Gerade in größeren Städten ist es indes möglich, Pflegewissenschaft zu studieren, wobei besonders Universitätskliniken eine besondere Stellung zukommt. Insgesamt ist dabei ein Anstieg der Studenten in diesem Bereich zu verzeichnen.

Ein höheres Bildungsniveau der Pflegenden ist wichtig

Der Wissenschaftsrat dürfte die Entwicklung begrüßen, so empfiehlt er doch eine Akademisierungsrate (mindestens einen Bachelor-Abschluss) von mindestens zehn Prozent in der Pflege (bei gegenwärtig circa einem Prozent). Unterstützt wird dieser Anspruch beispielsweise durch Studien aus den USA, welche gezeigt haben, dass die Mortalitätsrate der Pflegebedürftigen bei höherer Bildung der Pflegenden sinkt.

Ein höheres Bildungsniveau in der Pflege kann Fehler vermeiden und dabei helfen, in schwierigen Situationen besser zu handeln. Die Wissenschaft hinter der Pflege ermöglicht ein besseres Verständnis von Ursache und Wirkung und kann Pflegekräfte weiter qualifizieren. Entgegenkommend ist hierbei beispielsweise die Datenbank zur Pflegeforschung, welche das Zentrum für Qualität in der Pflege im Jahre 2017 veröffentlichte: Hier finden sich Studien, weiterführende Informationen und vieles mehr – für Pfleger und Wissenschaftler.

Grundlagenforschung in Deutschland

In den Bereichen Mathematik, Physik, Biologie und Chemie werden meist verrückte Wissenschaftler vermutet, die an Dingen arbeiten, die mit der realen Welt nicht viel zu tun haben. Allerdings haben diese Wissenschaftler schon oft bewiesen, dass dem nicht so ist und ihre Entwicklungen einen enormen Wert für unser Leben und die Gesellschaft haben. Die Grundlagenforschung hat bereits viele Innovationen, Technologien und Produkte hervorgebracht, die aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. So sind beispielsweise der Laser und das MP3-Format der Grundlagenforschung zu verdanken. Aufgrund dessen ist diese Forschung und deren Förderung in Deutschland so enorm wichtig.

Innovative Forschung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt sich im Bereich der Grundlagenforschung vielseitig für die Weiterentwicklung der verschiedenen Forschungsschwerpunkte ein. Vor allem die Bereiche Physik und Mathematik werden vom BMBF unterstützt. Gefördert werden beispielsweise die Forschungen in der Beschleunigerphysik, der Astro- und Astroteilchenphysik, der Hadronen- und Kernphysik sowie der Elementarteilchenphysik. Auch die Erforschung von kondensierter Materie und die Anwendung der Mathematik für Innovationen in der Industrie und dem Dienstleistungssektor sind Schwerpunkte der Förderungen. Aktuell läuft ein Förderprogramm unter dem Motto „Gesund leben“, in dem Mathematiker und Mediziner gemeinsam an der Weiterentwicklung medizinischer Bildgebungsverfahren arbeiten. Auch der Bau und Betrieb von Großgeräten werden vom BMBF gefördert. Es werden Großteleskope, Teilchenbeschleuniger oder Licht- und Teilchenquellen für die Wissenschaftler zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt ermöglicht das BMBF auch Studenten der physikalischen und mathematischen Studiengänge an verschiedenen deutschen Universitäten die Teilnahme an Projekten, die dazu dienen, international wettbewerbsfähige Forschung zu betreiben. Mit all diesen Förderungen treibt das BMBF die Grundlagenforschung in Deutschland stetig voran.

Grundlagenforschung in der Medizin – Deutsches Rheuma-Forschungszentrum

Im Bereich der Medizin ist die Grundlagenforschung ein entscheidender Faktor für die Weiterentwicklung von Heilmethoden und Therapien. Im Deutschen Rheuma-Forschungszentrum in Berlin widmet sich deshalb ein Team aus internationalen Wissenschaftlern der Biologie, Biochemie, Mathematik, Physik, Biotechnologie, Chemie, Tiermedizin, Statistik, Soziologie und der Dokumentation der Erforschung und Lösung medizinischer Probleme. Dabei arbeiten die Wissenschaftler eng mit den dort beschäftigen Ärzten zusammen und entwickeln so interdisziplinäre Lösungen im Bereich der Medizin. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt dabei auf der Entwicklung von Anwendungsmethoden der Grundlagenforschung in den Bereichen der Immunologie, der experimentellen Rheumatologie und der Rheuma-Epidemiologie. Zu diesem Zweck werden beispielsweise Langzeitstudien durchgeführt und darauf basierend neue Therapien und Methoden zur Behandlung der chronischen Krankheit entwickelt. Ziel ist es, diese Krankheit effektiver bekämpfen zu können und medizinischen Fortschritt durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche zu erreichen. Neben 87 weiteren Institutionen ist das Deutsche Rheuma-Forschungszentrum Teil der Leibniz-Gemeinschaft, einem Verband aus Forschungseinrichtungen im Bereich der Grundlagenforschung.

Alle unter einem Dach – Grundlagenforschung in der Leibniz-Gemeinschaft

Insgesamt 88 Einrichtungen sind Teil der Leibnitz-Gemeinschaft, die sich ausschließlich der anwendungsbezogenen Grundlagenforschung widmet. Neben dem Deutschen Rheuma-Forschungszentrum sind dies beispielsweise das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung oder die Akademie für Raumforschung und Landesplanung in Hannover. Insgesamt arbeiten hier rund 8.800 Wissenschaftler im Bereich der Grundlagenforschung und tragen zur Lösung der Herausforderungen in den verschiedensten Bereichen bei. Auch international wird mit anderen Institutionen und Hochschulen zusammengearbeitet, um die Forschungen effektiv voranzutreiben. Der Verband verfolgt dabei ausschließlich gemeinnützige Zwecke und sieht sich als Vermittler zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie tritt diesen Instanzen beratend und informierend gegenüber und lässt somit die Ergebnisse der Grundlagenforschung in unsere Gesellschaft einfließen. Damit hat die Leibniz-Gemeinschaft einen großen Anteil an der Weiterentwicklung der Grundlagenforschung in Deutschland. Aufgrund dieser enormen Bedeutung der Forschung für die gesamte Bevölkerung werden die Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Insgesamt arbeitet die Leibniz-Gemeinschaft mit einem Etat von knapp 1,5 Milliarden Euro im Jahr.

Industrie 4.0

Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange. Sie beeinflusst Deutschlands Politik, Wirtschaft und Industrie und hat auch auf die Gesellschaft entscheidende Auswirkungen. Der Begriff „Industrie 4.0“ ist deshalb heute nicht mehr wegzudenken. Gemeint ist damit die intelligente und automatisierte Vernetzung von der Produktentwicklung, Produktion, Logistik und den Kunden in der Industrie. So nutzen bereits heute beispielsweise 20% der Unternehmen in der Autoindustrie selbststeuernde Anlagen – Trend steigend. Die Herausforderungen dieser Entwicklung sind deshalb seit Jahren wichtiger Bestandteil der Forschungsarbeit in Deutschland.

Förderungen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung

Seit 2011 ist das Projekt „Industrie 4.0.“ fester Bestandteil des Förderprogramms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel dieser Fördermaßnahmen ist es, die deutsche Industrie auf die Produktion der Zukunft vorzubereiten und alle wichtigen Kompetenzen, die mit diesen Veränderungen einhergehen, an die Unternehmer und Mitarbeiter in der Industrie zu vermitteln. Das BMBF hat im Zuge dieser Umstellungen verschiedene Förderprogramme ins Leben gerufen. Insgesamt sind rund 470 Millionen Euro als Investition in diese Maßnahmen geplant. Die Förderungen haben dabei verschiedene Schwerpunkte. Die Unterstützung von Unternehmen – vor allem des Mittelstandes – ist einer davon. Es werden Tools für die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung bereitgestellt, Best Practices entwickelt und Umsetzungsempfehlungen und -strategien vermittelt, die den Unternehmen den Sprung in die Industrie 4.0 vereinfachen sollen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Softwareentwicklung, die dadurch unterstützt wird, dass die bisherigen Standards angepasst und neue Standards entwickelt werden. Auch die IT-Sicherheit ist ein wichtiger Bereich der Förderungen. Dabei geht es vor allem um den Datenschutz. Auch der Open Access von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Forschungsergebnissen wird vom BMBF gefördert. So wurden bereits entsprechende Anpassungen im Urheberrechtsgesetz vorgenommen, die den ungehinderten Wissensfluss erleichtern sollen.

Innovationen vom Fraunhofer-Institut

Das Fraunhofer-Institut hat es sich zum Ziel gemacht zukunftsfähige Technologien und Produkte zu entwickeln und Unternehmen bei der Umstellung auf die neuen technischen Standards der Industrie 4.0 zu unterstützen. Es werden autonome Systeme entwickelt, die ganz im Sinne der Digitalisierung und Vernetzung arbeiten. Das Institut entwickelt beispielsweise Drohnen, die zur Lieferung von Waren eingesetzt werden können, oder 3D-Drucker, die die Produktion von Einzelteilen übernehmen. Auch im Bereich der Daten ist das Fraunhofer-Institut aktiv. Es werden Big-Data-Technologien entwickelt und deren Einsatz in der Industrie getestet. Damit einher geht das Forschungsfeld der Datennutzungskontrolle. Die Mitarbeiter arbeiten an der Entwicklung von Kontrollmöglichkeiten mit der die Datennutzung gesteuert werden kann. Um die Unternehmen auf die neuen Technologien vorzubereiten, bietet das Fraunhofer-Institut zudem verschiedene Dienstleistungen an, die die Gegebenheiten der Unternehmen auf den Prüfstand stellen. Unternehmen können vom unabhängigen Software-Prüfzentrum ihre User Experience überprüfen und die Zukunftsfähigkeit ihrer vorhandenen Software beurteilen lassen.

Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) setzt sich für die erfolgreiche Umsetzung der Industrie 4.0 ein und fördert mit Programmen wie „Autonomik für Industrie 4.0“ und „Smart Service Welt“ die Weiterentwicklung der Industrie. Zudem wurde die Einrichtung von „Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren“ sowie den Kompetenzzentren „Digitales Handwerk“ vom BMWI initiiert. Damit wird den Unternehmen in Deutschland ein umfangreiches Angebot zur Information, Erprobung und Schulung hinsichtlich aller wichtigen Themen im Bereich Industrie 4.0 gegeben und erleichtert so die Umstellung der Produktion und Arbeitsprozesse. Zusätzlich hat das BMWI die „Plattform Industrie 4.0“ ins Leben gerufen. Ziel der Plattform ist es, die internationale Spitzenposition Deutschlands in der Industrie zu sichern und auszubauen. Mit Lösungsvorschlägen und Handlungsempfehlungen zu den Themen Standardisierung und Normung, der Sicherheit vernetzter Systeme, den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Forschung im Bereich der Industrie sowie der Aus- und Weiterbildung wird die Industrie 4.0 immer weiter in unsere Wirtschaft und Gesellschaft Einzug halten.

Forschungsfeld Green Economy

Nachhaltiges und umweltbewusstes Leben ist seit langem das Ziel von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Zuge dieser Umstrukturierung hat sich der Begriff „Green Economy“ in den letzten Jahren etabliert. Gemeint ist damit das nachhaltige Produzieren und Konsumieren von Produkten. Viele Forschungsprogramme und -projekte beschäftigen sich damit, wie die Industrie, die Wirtschaft, die Infrastruktur oder das gesellschaftliche Leben so praktiziert und umgesetzt werden können, dass wir kommenden Generationen einen gesunden Planeten hinterlassen.

Die „Green Economy“-Agenda des Bundesforschungsministeriums

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und anderen Akteuren die Agenda „Green Economy“ erarbeitet. Ziel dieser Agenda ist eine umweltschonende und sozial gerechte Wirtschaft, die gleichzeitig international wettbewerbsfähig bleibt. Umgesetzt werden soll dieses Ziel in verschiedenen Bereichen mittels umfangreicher ökologischer Modernisierungen. Die Schwerpunkte der Agenda liegen auf der nachhaltigen Produktion und Ressourcennutzung, nachhaltigen Finanzdienstleistungen, einem bewussten Konsum, einem nachhaltigen Energieversorgungssystem und umweltschonenden Mobilitätssystemen und Infrastrukturen. Innerhalb dieser Schwerpunkte werden verschiedenste Fördermaßnahmen vorgenommen, die zu einer Green Economy beitragen. Im Bereich der Energiewende werden beispielsweise Technologien zur nachhaltigen Energieerzeugung, -umwandlung und -verteilung gefördert, die die fossilen Brennstoffe ersetzen sollen. Auch die Erforschung der verwendbaren Materialien ist Teil der Förderung. Im Bereich der Städteentwicklung sieht die Agenda wiederum Fördermaßnahmen vor, die speziell auf die Versorgung in den Städten zielt. Energieeffizienz, Wasser- und Abwasserversorgung sind dabei zentrale Themen. Nicht zuletzt wird auch im Bereich der Elektromobilität im Sinne der Green Economy geforscht, entwickelt und produziert. Insgesamt soll bis 2018 ein Etat von 350 Millionen Euro in die Forschung rund um die Green Economy fließen.

Das Forschungsprogramm „FONA”-Forschung für nachhaltige Entwicklung

FONA ist eines der Forschungsprogramme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welches im Sinne der Nachhaltigkeit und der Green Economy Lösungen erarbeitet. Ziel des Programms ist die Entwicklung von Entscheidungsgrundlagen und Innovationen hinsichtlich eines zukunftsorientierten Handelns in Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft. Zentrale Schwerpunkte sind die globalen Herausforderungen, wie der Klimawandel, die Bodendegradation, der anhaltende Rohstoffmangel und der Verlust der Artenvielfalt. Im Sinne der Bekämpfung dieser Probleme sind die Themen Green Economy, Energiewende und die Stadt der Zukunft wesentliche Elemente des Forschungsprogramms. Im Bereich der Green Economy geht es speziell um Themen wie den Umgang mit den sogenannten Rebound-Effekten und deren Minimierung, die Steigerung der Ressourceneffizienz sowie die sinnvolle Nutzung von CO2. Bestandteil der Forschungen in diesen Bereichen sind unter anderem die Durchführung von Studien zum Ziel der Green Economy, die Erarbeitung von leitenden Fragestellungen für die Forschung sowie die Durchführung von transdisziplinären Projekten, die technische und gesellschaftliche Innovationen im Sinne der Green Economy liefern.

BAND – Business Angels für die Green Economy

Nicht nur die Ministerien des Bundes, sondern auch unabhängige Vereine setzten sich für die Weiterentwicklung der Green Economy ein. Ein Beispiel dafür ist das Business Angels Netzwerk Deutschland, kurz BAND. Es unterstützt generell innovative Ideen und hilft Gründern beim Aufbau eines funktionierenden Unternehmens. Gleichzeitig setzt sich der Verein auch speziell für grüne Unternehmen ein. Er unterstützt die Förderung von Start-ups im Bereich der Green Economy und fördert mit verschiedenen Projekten den Aufbau von nachhaltigen und umweltbewussten Unternehmensvorhaben. Ein Beispiel dafür ist das „GreenUpInvest“-Projekt vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Im Rahmen dieses Projektes werden einerseits Best Practices für die Gründer von grünen Start-ups entwickelt und ihnen an die Hand gegeben. Andererseits werden Business Angels zur Unterstützung der Gründer gesucht und mit den Gründern zusammengebracht. Mit diesem Modell der Finanzierung von Gründungen im Green-Economy-Sektor leistet der Verein einen enormen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Wirtschaft und Industrie und treibt den Ausbau der Green Economy weiter voran.

Zukunft der Arbeit – Forschung in Deutschland

Die Frage, wie die Arbeit in der Zukunft aussehen und ablaufen wird, beschäftigt Politiker, Wissenschaftler und Unternehmer heutzutage immer häufiger. Dabei geht es meist um die Digitalisierung und die Entwicklung der Technik im Zusammenspiel mit dem Arbeitsmarkt. Auf der einen Seite nutzen die Unternehmen immer mehr Technik, um die Arbeit effektiver und kostengünstiger erledigen zu lassen. Auf der anderen Seite befürchten Arbeitnehmer, dass sie durch die Maschinen ersetzt und ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Mit dieser Diskrepanz beschäftigen sich verschiedene Forschungsinstitute in Deutschland und versuchen eine Lösung für dieses komplexe Problem zu finden.

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Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes – Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, kurz BMBF, beschäftigt sich mit allen Fragen rund um die Bildung – von der Ausbildung über effektive Weiterbildungen bis hin zum lebenslangen Lernen – und der Forschung in verschiedenen Themenbereichen. Das reicht von der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung bis hin zur Forschung für Innovationen. Die Forschung zum Thema Zukunft der Arbeit wurde bereits durch mehrere Forschungsprogramme vorangetrieben. Derzeit läuft die Initiative „Innovationen für die Produktion, Dienstleistung und Arbeit von morgen“, die sich mit der Weiterentwicklung des Arbeitsmarktes beschäftigt. Ziel dieses Programms ist es, die Produktion von Waren in Deutschland zu halten, um dadurch Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Außerdem sollen Strategien entwickelt werden, die es ermöglichen, die Arbeit auch in Zukunft wirtschaftlich und sozial zu gestalten. Es soll erarbeitet werden, wie die Arbeitsprozesse von Produktionen und Dienstleistungen effizient und umweltschonend umgesetzt werden können, um eine bessere Zukunft für unsere Gesellschaft zu erreichen. Insgesamt werden für diese Forschung mehr als eine Milliarde Euro eingesetzt.

Analyse und Innovation der Arbeitswelt – Das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit

Das Ziel des Forschungsinstituts zur Zukunft und Arbeit (IZA) ist die Untersuchung des aktuellen Arbeitsmarktes in Verbindung mit verschiedenen Aspekten, wie Bildung, Umwelt und Wirtschaft. Das Institut erhebt Statistiken rund um den Arbeitsmarkt, entwickelt Lösungen für aktuelle Probleme und tritt als Politikberater ein. Das IZA ist ein privates und unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut und wird von der Deutsche-Post-Stiftung gefördert. Es arbeitet international mit anderen Instituten und Partnern zusammen und gibt so einen breiten Einblick in die globale Arbeitswelt. Die Zukunft der Arbeit wird im Institut durch die Abteilung „Wandel der Arbeit“ untersucht. Dort werden die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt beobachtet und zukunftsorientierte Lösungen für Probleme entwickelt. Aktuelle Schwerpunkte der Forschung sind die sogenannte Gig Economy, das Arbeiten 4.0 und mögliche Alternativen zur geringfügigen Beschäftigung. Die letzte Studie des Instituts war die „Machbarkeitsstudie zur Evaluation der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge“, in der Vorschläge zur Evaluation von Integrationsmaßnahmen im Arbeitsmarkt erarbeitet wurden.

Vermittler in Zukunftsfragen – Die Stiftung für Zukunftsfragen

Eine weitere unabhängige Forschungseinrichtung zum Thema Zukunft der Arbeit ist die Stiftung für Zukunftsfragen. Diese gemeinnützige Organisation hat es sich zum Ziel gemacht, nachhaltige Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln und fungiert dabei als Vermittler zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Stiftung sieht sich einerseits als Organ zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft, das die aktuelle Forschung leicht verständlich an die Bürgerinnen und Bürger vermittelt. Andererseits möchte sie aktuelle Probleme der Gesellschaft an Politiker und Wirtschaft weitergeben, damit diese die entwickelten Lösungen umsetzen können. In diesem Sinne wurde beispielsweise 2009 die Studie „Vision Deutschland. Neue Wege in die Welt von morgen“ durchgeführt. Dabei wurden 2000 Menschen ab 14 Jahren nach ihren Wünschen für die Arbeitswelt befragt. Themen wie die Kinderbetreuung oder die Verwendung erneuerbarer Energien wurden dadurch aufgenommen und an die Politiker weitergegeben. Neben der Forschung zum Arbeitsmarkt beschäftigt sich die Stiftung mit Themen wie der Erwachsenenbildung oder der Touristik in Deutschland.

Küsten- und Meeresforschung in Deutschland

Die Erforschung der Meere, Ozeane und Küsten hat eine lange Tradition. Doch gerade in Zeiten von häufig auftretenden Naturereignissen, wie Sturmfluten, Tsunamis und Hurricanes ist es wichtiger denn je, die Natur und deren Auswirkungen auf die Menschen zu untersuchen. In diesem Sinne ist auch in Deutschland die Küsten- und Meeresforschung enorm wichtig und wird umfassend gefördert.

Förderungen des Bundesforschungsministeriums im Bereich der Meeresforschung

Die Erforschung der Meere, Küsten und Pole ist dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ein wichtiges Anliegen. Deshalb wird ein großer Teil der Fördermittel in die Meeresforschung investiert. Erforscht werden vor allem die Rolle der Meere für den Klimawandel und umgekehrt die Folgen des Klimawandels für die Meere. Auch die Folgen der immensen Müllansammlungen in den Gewässern und deren Auswirkung auf das Meer, die Tiere und den Menschen sind zentrales Element der Forschungen. Für diese Probleme sollen in der Küsten- und Meeresforschung Lösungen erarbeitet werden. Dazu werden nicht nur finanzielle Mittel, sondern auch professionelle Ausstattungen in Form von Forschungsflotten zur Verfügung gestellt. Die Forschungsschiffe sind mit Wissenschaftlern aus den Bereichen Biologie, Geochemie oder Meteorologie auf den Ozeanen und in den Polargebieten unterwegs und entwickeln Lösungsansätze für die globalen Probleme unserer Zeit. Gefördert werden vorwiegend Projekte aus den Bereichen Müllbelastung der Meere durch Plastik, Klimawandel, Küstenforschung und Tiefseeforschung. Das Projekt „Healthy and Productive Seas and Oceans (JPI Oceans)“ ist ein Beispiel dafür. Mit zwei Millionen Euro beteiligt sich das BMBF an diesem Programm.

Zentrale Anlaufstelle: Das Konsortium deutsche Meeresforschung

Das Konsortium deutsche Meeresforschung ist ein Dachverband, der verschiedene Institute zur Meeresforschung vereint. Es tritt vermittelnd und beratend gegenüber der Politik auf und arbeitet eng mit seinen Mitgliedern zusammen. Zu den Mitgliedern gehören beispielsweise das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen oder das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Das Konsortium arbeitet mit vier Schwerpunkten. Einer der zentralen Schwerpunkte ist die Biodiversität. Dort wird beispielsweise erforscht, welche Mechanismen zur Biodiversität führen und welche Folgen Veränderungen in der Biodiversität haben. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Küstenforschung. Dabei geht es vor allem um die Erforschung des Wandels in den Meeren und die Abschätzung von Entwicklungsmöglichkeiten und den möglichen Gefahren, die dadurch entstehen. Im Bereich der mineralischen Ressourcen werden die Auswirkungen der Rohstoffentnahme aus der Tiefsee erforscht und ein gesellschaftliches Verständnis für die damit einhergehenden Probleme gefördert. Der vierte Schwerpunkt ist der Ozeanzirkulation und dem Klima gewidmet. Hier werden die Auswirkungen des Klimawandels auf die Meere erforscht und der Wandel der Meere nachvollzogen.

Meeresforschung an Universitäten in Deutschland

Auch an deutschen Universitäten wird intensive Forschung im Bereich der Meere und Küsten betrieben. Ein Beispiel dafür ist die Universität Rostock. Das Department „Maritime Systeme“ untersucht hier den Einfluss von globalen und regionalen Veränderungen auf die Küstenzonen, entwickelt Mittel zur Nutzung maritimer Systeme und erarbeitet Methoden zur nachhaltigen Nutzung von Küsten und Meeren. Ziel der Forschung ist es, wissenschaftliche und technische Lösungen für die vorhandenen oder entstehenden Probleme in den Küstenregionen und im Meer zu entwickeln. Das Department arbeitet in drei Bereichen: der Biochemie in Gebieten nahe der Küste, den anthropogenen Einflüssen und der Technik und Robotik im Flachwasser. Im Rahmen dieser Schwerpunkte ist das Department in verschiedenste Projekte eingebunden. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „PADO“-Prozesse und Auswirkungen von Dünendurchbrüchen an der deutschen Ostseeküste. Das Projekt wurde ins Leben gerufen, um Erkenntnisse zur Dünendynamik zu gewinnen und ein verbessertes System zur Messung von Durchbruchsituationen zu entwickeln und damit die Küstenschutzsysteme zu optimieren.

Klimaforschung in Deutschland

Kaum eine andere Frage hat in den letzten Jahrzehnten Gesellschaft und Politik so sehr bewegt wie der Klimawandel. Die einen glauben nicht daran, für die anderen ist er längst unabwendbar. In einer so emotional geführten Diskussion sind genaue und überprüfbare Fakten Voraussetzung für einen sachlichen Umgang mit diesem Thema. Es ist deshalb vordringliche Aufgabe der Forschung, Wissenslücken zum Klimawandel zu schließen und auf Basis exakter Daten Handlungsempfehlungen zu erarbeiten.

Deutsche Klimaforscher weltweit anerkannt

An der Klimaforschung in Deutschland beteiligen sich wissenschaftliche Hochschulen, außeruniversitäre Institute wie die Leibniz-Gesellschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft sowie Unternehmen. Ihre Arbeit wurde im Jahr 2016 durch das Bundesforschungsministerium mit weit mehr als einer Milliarde Euro finanziert. Mehr als 20 der wichtigsten Einrichtungen sind im Deutschen Klima Konsortium (DKK) zusammengeschlossen. Das DKK vertritt die Interessen seiner Mitglieder nach außen und bietet nach innen eine Plattform für Informationsaustausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Die renommiertesten DKK-Mitglieder sind das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Max-Plack-Institut für Meteorologie in Hamburg. Beide genießen international ein sehr hohes Ansehen und zählen zur Weltspitze der Klimaforschung. Ebenfalls von Weltrang ist das Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven mit seinem Forschungsschiff „Polarstern“. Das AWI konzentriert seine wissenschaftliche Tätigkeit auf die Eismeere am Nordpol, rund um Grönland sowie die Antarktis.

Im internationalen Vergleich gilt die deutsche Klimaforschung als herausragend. Ihre Ergebnisse fließen u. a. in die Arbeit des Weltklimarates (IPCC) ein. Der IPCC verfasst regelmäßig Klimaberichte, welche die wissenschaftliche Grundlage der UN-Klimaverhandlungen auf Staatsebene sind.

Eines der Felder der Klimaforschung ist das Sammeln von Daten und die Klimabeobachtung. Federführend ist hier der Deutsche Wetterdienst, beteiligt sind u. a. auch namhafte Versicherungsunternehmen. Darauf aufbauend beschäftigt sich insbesondere die Grundlagenforschung mit der Simulation des Klimas. Modelle, welche die Prozesse in der Atmosphäre, an Land und den Ozeanen nachbilden, machen Aussagen über das zukünftige Klimageschehen und dessen Wahrscheinlichkeit möglich. Zuverlässige Voraussagen, gerade auf regionaler Ebene, lassen die Folgen des Wandels im Einzelfall besser bewerten und erleichtern die Entwicklung konkreter Maßnahmen.

Zusammenarbeit über Fach- und Landesgrenzen

Viele der Forschungsansätze beleuchten die Abhängigkeit zwischen gesellschaftlicher Veränderung und dem Klimawandel. Wie verhalten sich Verbraucher, Unternehmen und Regierungen? Das zu wissen, ist Voraussetzung, um Wege in eine CO2-neutrale Gesellschaft zu finden. Aus diesem Grund sind neben den Naturwissenschaften auch Sozial- und Wirtschaftsexperten in der Klimaforschung unverzichtbar. Das Hamburger Centrum für Globalisierung und Governance (CGG) ist ein Beispiel für so eine fachübergreifende Zusammenarbeit.

Da sich der Klimawandel nicht an nationale Grenzen hält, ist eine länderübergreifende Zusammenarbeit notwendig. In 2009 beschloss deshalb die 3. Weltklimakonferenz den Aufbau eines globalen Rahmenwerks für Klimadienstleistungen. Dieses soll Ländern, die einen Bedarf an Vorhersagen oder Folgeabschätzung haben, aber alleine dazu nicht in der Lage sind, Klimadienste anbieten. Dazu zählen Entwicklungsländer, vor allem in Afrika, aber auch Schwellenländer in Asien, in Südamerika und in Osteuropa. Viele Einrichtungen der deutschen Klimaforschung bringen die notwendigen Voraussetzungen für den Aufbau einer technischen Infrastruktur mit. Sie helfen beim Aufbau meteorologischer Beobachtungsstationen, stellen ein langfristiges Datenmanagement sicher und unterstützen bei der lokalen Klimadiagnose.

Zunehmend werden Klimaforscher auch als Berater tätig. Die Bundesregierung greift auf sie zurück und auch die Weltbank verlässt sich bei ihren Projektentscheidungen auf fachliche Expertisen, u. a. auch aus Deutschland.

Therapie und Prävention – Gesundheitsforschung in Deutschland

Die deutsche Gesundheitsforschung entwickelt neue und verbessert bestehende Diagnose- und Heilverfahren und sucht gleichzeitig nach Wegen, um der Entstehung von Krankheiten vorzubeugen. Ende 2010 hat die Bundesregierung das „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“ ins Leben gerufen und in den Jahren 2011 bis 2014 mit 5,5 Milliarden Euro finanziert. Es umfasst die klinische und Grundlagenforschung sowie die Vorsorge, beschäftigt sich aber auch mit strukturellen Änderungen der Forschungslandschaft und mit Fragen der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Dieser ganzheitliche Ansatz ist nötig, damit Erkenntnisse aus dem Labor möglichst schnell in der medizinischen Regelversorgung ankommen. Ziel ist letztlich, die bestmögliche medizinische Versorgung aller Bevölkerungsgruppen.

Volkskrankheiten im Visier

Der demografische Wandel erfordert stetige Fortschritte insbesondere auf dem Gebiet der sogenannten Volkskrankheiten. In einer alternden Gesellschaft wächst die Zahl der Menschen mit Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-, Lungen- oder neurodegenerativen Leiden, wie z. B. der Alzheimerschen Krankheit. Auch psychische, allergische und Infektionskrankheiten sind auf dem Vormarsch. Eine Konzentration der Forschung in diesem Bereich ist deshalb von großer Bedeutung und kommt direkt vielen Menschen zugute. Mit steigendem Alter der Patientinnen und Patienten wächst auch der Bedarf an Therapien, die persönlich auf deren jeweiligen Lebensumstände zugeschnitten sind. Das Stichwort heißt individualisierte Medizin und ist ebenfalls Bestandteil der Forschung.

Um die Entstehung der Volkskrankheiten besser zu verstehen, untersucht die Forschung den Einfluss von Ernährung, Bewegung und sonstigem Verhalten sowie die Bedeutung möglicher Umweltfaktoren. Auch die individuelle Genetik der Patienten kann bei der Vorbeugung eine wichtige Rolle spielen und ist deshalb ebenso Gegenstand von Untersuchungen. Grundsätzliche Fragen nach dem Erfolg und der Funktionsweise von Präventionen lassen sich nur langfristig beantworten. Von daher zählen sogenannte Kohortenstudien (statistische Auswertungen von Daten von mehreren hunderttausend Patienten über viele Jahre hinweg) mit zu den Forschungsvorhaben.

Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die wirtschaftliche Seite einer immer besseren Medizin. Der rasante Fortschritt hier bewirkt nicht nur, dass Menschen immer älter werden und trotz Krankheiten ein selbstbestimmtes Leben führen können, er ist auch sehr teuer. Nur wenn es gelingt, die Kosten zu begrenzen und Gesundheit mit Ökonomie in Einklang zu bringen, kann eine optimale Gesundheitsversorgung für alle dauerhaft sichergestellt werden.

Neue Forschungszentren

Gegenwärtig forschen in Deutschland Ärzte, Biologen, Chemiker und andere Fachleute an 36 Universitätskliniken und 90 außeruniversitären Einrichtungen. Diese vernetzen sich immer enger und schließen sich zu „Zentren für Gesundheitsforschung“ zusammen. Damit wird auf nationaler Ebene eine hohe Arbeitsteilung und Effizienz in der medizinischen Forschung ermöglicht. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen können ihre Ergebnisse austauschen und gemeinsam aus ihrem jeweiligen Blickwinkel an der Beantwortung komplexer Fragen arbeiten. Darüber hinaus soll der Austausch von Wissen auch über Grenzen hinweg intensiver werden. Deshalb ist eine weitere Zielsetzung der medizinischen Forschung, die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern.

Auf diese Weise soll auch die Attraktivität der wissenschaftlichen Einrichtungen für hochkarätige Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland sowie für den wissenschaftlichen Nachwuchs steigen und Deutschland zu einem Spitzenplatz in der Gesundheitsforschung führen. Es existieren inzwischen sechs solche Zentren, die sich jeweils einem der Themen rund um Volkskrankheiten widmen. Ein Beispiel dafür ist das seit 2009 bestehende Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) mit Sitz in München und Partnereinrichtungen an acht weiteren Standorten in ganz Deutschland.

Gegen den Artenschwund – Biodiversitätsforschung in Deutschland

Wie viel Artenvielfalt braucht der Mensch? Grob zusammengefasst ist dies die zentrale Frage, mit der sich Wissenschaftler befassen, welche die Vielfalt des Lebens auf der Erde untersuchen und Maßnahmen entwickeln, sie zu erhalten. Weltweit sind unzählige Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht: Wälder werden abgeholzt, Korallenriffe sterben ab, die Meere leiden unter Überfischung und Verschmutzung. Allein in Deutschland gelten ein Viertel aller Pflanzenarten und ein Drittel der Tierarten als in ihrem Bestand gefährdet. Wissenschaftler schätzen, das Arten gegenwärtig 100 bis 1000-mal schneller aussterben als unter natürlichen Bedingungen.

Diese Entwicklung wirkt sich nicht nur auf naturbelassene Lebensräume aus. Auch Haustiere und Nutzpflanzen sind davon betroffen. So sind seit dem 19. Jahrhundert etwa drei Viertel aller Sorten unserer Nahrungsmittelpflanzen verschwunden. Gleichzeitig verlangt die wachsende Weltbevölkerung nach immer mehr Ressourcen und ist auf die Natur – 75 Prozent der globalen Nutzpflanzen werden durch Tiere bestäubt – angewiesen. So wird klar, dass sich die Erforschung der Artenvielfalt nicht auf biologische Disziplinen beschränkt, sondern gesellschaftswissenschaftliche und ökonomische Fächer mit einbezieht.

Biodiversitätsforschung findet an vielen, bundesweit verteilten und dezentral strukturierten Einrichtungen statt. Dazu zählen Universitäten und Fachhochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen, wie die Leibnitz-Gemeinschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft sowie Museen, wissenschaftliche Sammlungen und Naturschutzorganisationen. Insgesamt sind in Deutschland weit mehr als eintausend Institutionen beteiligt, von denen knapp 100 in Forschungsnetzwerken zusammengeschlossen sind, welche einen Standortübergreifenden Austausch ermöglichen.

Sammeln, sortieren, bewerten

Als relativ junge Wissenschaft steht die Biodiversitätsforschung noch am Anfang. Schätzungen gehen davon aus, das nur zwei bis maximal zehn Prozent aller Tier- und Pflanzenarten bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind. Daher ist deren Katalogisierung ein wesentliches Ziel vieler Projekte, bevor auf Basis verlässlicher Zahlen Methoden und Instrumente zum Erhalt der Artenvielfalt entwickelt werden können. Auf diese Weise erfährt die Taxonomie (systematische Einordnung von Arten in Stammbäumen), welche lange Zeit in verstaubten Museums-Sammlungen ein Nischendasein führte, eine neue Blüte. Sie entwickelt sich unter Einbeziehung moderner Verfahren wie Computertomografie, Laserscanning, Ultrastruktur oder Molekulargenetik zur einer High-Tech-Wissenschaft. Eines ihrer hochgesteckten Ziele ist die Erfassung aller in Deutschland lebenden Arten in einer Gen-Datenbank, dem German Barcode of Life (GBOL). An diesem Projekt sind neben zwölf wissenschaftlichen Institutionen auch Hobbyforscher, sogenannte „Bürgerwissenschaftler“ beteiligt. Weiterer Schwerpunkt und gleichzeitig Sorgenkind der Taxonomen sind die Meere und Ozeane. Obwohl sie auf der Erde den mit Abstand größten Lebensraum stellen, sind sie noch weitgehend unerforscht.

Auch wenn der Mensch die Vielfalt des Lebens kaum kennt, bezieht er daraus seit Jahrtausenden seine Nahrung, Rohstoffe für Produktionsgüter, Heilmittel usw. Die Biodiversitätsforschung versucht daher, den wirtschaftlichen Wert einzelner Arten oder ganzer Lebensräume zu erfassen und deren Verwendung z. B. in der Land- und Forstwirtschaft oder für die Medizin zu prüfen. Nicht weniger wichtig als direkte Nutzung natürlicher Güter, aber bislang kaum erforscht, sind die sogenannten Biodiversitäts-Dienstleistungen. Dazu zählen alle Stoffkreisläufe, wie die Produktion von Sauerstoff und der Abbau von Kohlendioxid, die zwar vom Prinzip her längst verstanden, aber zahlenmäßig nicht bekannt sind. In Deutschland sind Einrichtungen wie das Leibnitz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde mit konkreten Projekten beteiligt.

Natürliche Vielfalt ist nicht nur im übertragenen, sondern auch im wörtlichen Sinne grenzenlos. Alle nationalen Anstrengungen zum Erhalt der Artenvielfalt sind daher auf Dauer wirkungslos, wenn sie nicht in ein internationales Konzept eingebunden sind. Die 2014 gegründete deutsche Koordinierungsstelle des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sammelt alle in Deutschland gewonnenen Forschungsergebnisse uns stellt Sie Wissenschaftlern anderer Länder zur Verfügung. Der IPBES, der auf eine Initiative der Vereinten Nationen zurückgeht, hat die Aufgabe, die biologische Vielfalt und den weltweiten Artenverlust zu dokumentieren und die Fakten als Entscheidungsgrundlage für die Politik bereitzustellen.

Forschung für die Energiewende

Die deutsche Forschung im Bereich Energie bzw. Energieeffizienz ist maßgeblich geprägt durch die Energiewende. Laut EU-Vorgaben soll der Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 sinken. Um dieses ehrgeizig Ziel zu erreichen, muss Energie eingespart und der Anteil erneuerbarer Energien erhöht werden. Diese beiden Felder stehen deshalb im Fokus des 6. Energieforschungsprogramms der Bundesregierung, mit dem Ziel einer umweltschonenden, zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung.

Schwerpunkt erneuerbare Energien

Von den 863 Millionen Euro, die der Bund 2015 in die Energieforschung investiert hat, floss mehr als ein Drittel in die erneuerbaren Energien. Hauptnutznießer waren die Photovoltaik (Stromerzeugung mit Sonnenlicht) und die Windenergie. Bei der Photovoltaik konzentrieren sich die Forschungsvorhaben vor allem darauf, den Wirkungsgrad der Energieumwandlung, d.h. den Anteil des Lichts, der zur Strom wird zu erhöhen. Mit bis zu 25 Prozent sind deutsche Versuchsanlagen darin heute weltspitze. Gleichzeitig sollen die Lebensdauer verbessert und die Herstellungskosten der immer noch recht teuren Siliziumplatten gesenkt werden.

Windkraft ist zurzeit die kostengünstigste erneuerbare Energie und gilt, zumindest an Land, als technologisch ausgereift. Durch die Entwicklung innovativer Materialien lassen sich immer größere Anlagen mit einer hohen Lebensdauer bauen. Auch hier ist eine weitere Kostensenkung wichtiges Forschungsziel. Zunehmend werden aber auch Umweltaspekte und die Erforschung ökologischer Auswirkungen gefördert.

Bei der Erforschung der Bioenergie geht es darum, bestehende Verfahren, wie die Biogaserzeugung weiter zu optimieren und neue Ansätze wie z. B. die Herstellung von Biotreibstoff aus Algenkulturen zu testen. Weitere Forschungsthemen sind die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, die Solarthermie (Gewinnung von Wärme aus Sonnenlicht) und die sogenannte „tiefe Geothermie“, also die Nutzung von Wärme aus tiefen Erdschichten mit Hilfe von Bohrungen. Von untergeordneter Bedeutung ist die Erforschung der Wasserkraft und Meeresenergie.

Neben den erneuerbaren Energien fördert der Bund mit durchschnittlich 30 Millionen Euro jährlich die Weiterentwicklung konventioneller Kraftwerkstechnik. Moderne Anlagen für fossile Brennstoffe müssen darauf optimiert werden, in kurzer Zeit verfügbar und auch bei längeren Stillstandzeiten wirtschaftlich tragbar zu sein. Nach wie vor ist die Entwicklung von Fusionsreaktoren, welche die Kernschmelze auf der Sonne zum Vorbild haben, fester Bestandteil der Energieforschung. Und nicht zuletzt gibt der Bund etwa 25 Millionen Euro jährlich für die Erforschung der Reaktorsicherheit aus, der beim Abbau der alten Kernkraftwerke und der Lagerung des Atommülls eine zentrale Bedeutung zukommt.

Energie effizient verteilen und nutzen

Bei der effizienten Energienutzung kommt es einerseits darauf an, Energie zu sparen. Andererseits muss vorhandene Energie gespeichert und sinnvoll verteilt werden. Für die Erforschung dieser beiden komplexen und sich gegenseitig beeinflussenden Felder stehen jährlich etwa 250 Millionen Euro zur Verfügung.

Im ersten Fall konzentriert sich die Forschung auf Einsparmöglichkeiten in privaten Haushalten sowie in Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen. Mit technologischem Fortschritt im Heizungsbau und bei der Gebäudedämmung mit luftdichten Fenstern und Türen sowie computergesteuerter Belüftung konnte den Wärmeverlust bei Neubauten drastisch gesenkt werden. Beim Beheizen von Altbauten könnten mit innovativen Ansätzen, wie z. B. Infrarotheizungen, die ein angenehmes Wärmegefühl bei niedrigerer Raumtemperatur erzeugen, Fortschritte erzielt werden. Bei der Raumbeleuchtung ersetzen Sparlampen und Leuchtdioden (LED) die herkömmlichen Glühbirnen.

Bei der Energiespeicherung kommt es darauf an, Versorgungslücken in Zeiten hohen Verbrauchs und Überschüsse, die z. B. nachts entstehen, auszugleichen. Energiespeicher können direkt Wärme aufnehmen oder elektrischen Strom in Batterien speichern. Auch die Erzeugung von Wasserstoff und sein Einsatz in Fahrzeugen und Kraftwerken zählt dazu. Die technische Reife der Speicher ist teilweise noch gering und weitere Forschung nötig. Das gilt auch für die Stromnetze, die durch die Einspeisung aus regenerativen Quellen vor völlig neue Herausforderungen gestellt werden. Deshalb wurden die Forschungsmittel dafür von 2012 bis 2015 in etwa verdreifacht.