Category: Gesundheitsforschung

Die Pflegeforschung in Deutschland als Chance für die Qualität in der Pflege

Die Pflegeforschung ist ein Teilgebiet der Pflegewissenschaft und dient dem Anwenden, Ausprobieren und Systematisieren tieferer Erkenntnisse und Theorien aus der Pflegewissenschaft. Sie stellt somit eine Disziplin mit akademischem Anspruch dar, welche als Ergänzung zur „herkömmlichen“ Pflegetätigkeit gesehen werden muss. So ist bezüglich der Pflege festzuhalten, dass die meisten Kenntnisse auf Erfahrung und weitergegebenen Wissen beruhen. Das systematische Erfassen von Daten, Methoden und Handlungsoptionen kam erst später auf.

Dabei hat die systematische Pflegeforschung ihre Anfänge bei Florence Nightingale, die bereits Mitte des 19. Jahrhunderts damit beginn, Zahlen zur Pflege zu erfassen und unter anderem Handlungsoptionen aus diesen abzuleiten. Institutionalisiert wurde die Pflegeforschung im Rahmen der Pflegewissenschaft dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts; in Deutschland kam die Pflegeforschung dabei erst in den 1990ern richtig an. Sie ist somit hierzulande als sehr junger Disziplin anzusehen.

Die Pflegeforschung stützt sich auf zwei Grundpfeiler: Zum einen werden qualitativ messbare Erlebnisse betont. Das bedeutet, dass die Verhaltensweisen von Pflegebedürftigen, der Erfolg von Pflegemaßnahmen und vieles mehr erfasst werden. Zum anderen geht es auch darum, große Datenmengen zu generieren. So lassen sich durch eine saubere Erfassung der Daten Aussagen zu bestimmten Gruppen oder Krankheitsbildern treffen. Auch können die Erfolgsaussichten einzelner Pflegemaßnahmen quantifiziert werden.

Die Chancen der Pflegewissenschaft

Die Pflegewissenschaft bildet den theoretischen Oberbau für die Pflege. Dabei werden vor allem Modelle erarbeitet, die es zum Ziel haben, eine maximal effiziente Pflege zu gewährleisten. Dies bedeutet etwa, dass Maßnahmen problemlösend, dass Schmerztherapien sinnvoll, dass Rehabilitationsmaßnahem effektiv sein müssen. Es kann hier auch darum gehen, den Personalschlüssel optimal zu verwerten oder auch darum, unnötige Maßnahmen zu reduzieren und dafür den Fokus auf wirklich wichtige Maßnahmen zu legen. Dabei können die Theorien hochspezifisch sein (sich etwa nur auf den häuslichen Bereich beziehen) oder generalisiert anwendbar sein.

Zugleich beschäftigt sich die Pflegewissenschaft auch ganz allgemein mit den Fragen der Pflege. So geht es nicht zuletzt um die Ausbildung der Pflegekräfte selbst sowie um die Fragen der Zukunft in diesem Bereich. Angesichts der Herausforderungen, vor denen das Pflegewesen gerade in Deutschland steht, sind zukunftsfähige Modelle wertvoller denn je. Auch die können durch Pflegewissenschaftler entworfen werden, um anschließend im Rahmen der Pflegeforschung erprobt zu werden.

Die Pflegewissenschaft geht dabei interdisziplinär vor: Es geht nicht nur um die Pflege an sich (im medizinischen Sinne), sondern es müssen auch weltanschauliche Fragen erörtert werden.

  • Welche Möglichkeiten bieten Religionen (oder religiöse Verbände)?
  • Welches Menschenbild bei der Pflege lässt sich aus theologischen und philosophischen Anschauungen ableiten?
  • Welche Effekte kann die Pflege auf die Psyche haben?
  • Wie steht um es die freie Entfaltung, um Bewegung, um das Bedürfnis nach kreativer Arbeit?
  • Wie individuell muss Pflege sein, damit sie menschenwürdig ist?

Was bedeutet das für die Umsetzbarkeit im gegenwärtigen Pflegesystem?

Doch auch fernab von geisteswissenschaftlichen Ansätzen kann die Pflegeforschung auch ganz praktisch arbeiten. So werden auch Geräte für die Pflege, Rechnungsmodelle und Lehrgänge entworfen. Alle Erkenntnisse können beispielsweise dazu dienen, dass Pflegekräfte mehr Informationen an die Hand bekommen. Gerade statistische Erfassungen mit direktem Bezug zur Pflegeleistung können die Arbeit erleichtern. So können unterschiedliche Optionen miteinander verglichen werden, um eine für den Pflegebedürftigen optimalen Pflegeplan zu entwerfen.

Die Definition der Pflegewissenschaft lässt eine Einordnung als empirische Sozialwissenschaft zu. Im Vordergrund steht immer die Verbesserung der individuellen Pflegesituation, wobei diese Einzelschritte in Theorien und Modelle überführt werden sollen.

Status Quo in Deutschland

Deutschland kennt die akademisierte Pflegewissenschaft noch nicht besonders lang. Dennoch gibt es beispielsweise mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. ein Lehrinstitut für diesen Bereich. Weitere Pflegeforschungsverbände sind bereits gegründet. Dennoch ist die Anzahl der Promotionen in diesem Bereich mit 50 bis 60 Stück im Jahr doch eher als bescheiden im internationalen Vergleich zu bezeichnen. Es herrscht also noch Aufholbedarf, was das Etablieren einer Pflegewissenschaft in Deutschland betrifft.

Gerade in größeren Städten ist es indes möglich, Pflegewissenschaft zu studieren, wobei besonders Universitätskliniken eine besondere Stellung zukommt. Insgesamt ist dabei ein Anstieg der Studenten in diesem Bereich zu verzeichnen.

Ein höheres Bildungsniveau der Pflegenden ist wichtig

Der Wissenschaftsrat dürfte die Entwicklung begrüßen, so empfiehlt er doch eine Akademisierungsrate (mindestens einen Bachelor-Abschluss) von mindestens zehn Prozent in der Pflege (bei gegenwärtig circa einem Prozent). Unterstützt wird dieser Anspruch beispielsweise durch Studien aus den USA, welche gezeigt haben, dass die Mortalitätsrate der Pflegebedürftigen bei höherer Bildung der Pflegenden sinkt.

Ein höheres Bildungsniveau in der Pflege kann Fehler vermeiden und dabei helfen, in schwierigen Situationen besser zu handeln. Die Wissenschaft hinter der Pflege ermöglicht ein besseres Verständnis von Ursache und Wirkung und kann Pflegekräfte weiter qualifizieren. Entgegenkommend ist hierbei beispielsweise die Datenbank zur Pflegeforschung, welche das Zentrum für Qualität in der Pflege im Jahre 2017 veröffentlichte: Hier finden sich Studien, weiterführende Informationen und vieles mehr – für Pfleger und Wissenschaftler.

Therapie und Prävention – Gesundheitsforschung in Deutschland

Die deutsche Gesundheitsforschung entwickelt neue und verbessert bestehende Diagnose- und Heilverfahren und sucht gleichzeitig nach Wegen, um der Entstehung von Krankheiten vorzubeugen. Ende 2010 hat die Bundesregierung das „Rahmenprogramm Gesundheitsforschung“ ins Leben gerufen und in den Jahren 2011 bis 2014 mit 5,5 Milliarden Euro finanziert. Es umfasst die klinische und Grundlagenforschung sowie die Vorsorge, beschäftigt sich aber auch mit strukturellen Änderungen der Forschungslandschaft und mit Fragen der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Dieser ganzheitliche Ansatz ist nötig, damit Erkenntnisse aus dem Labor möglichst schnell in der medizinischen Regelversorgung ankommen. Ziel ist letztlich, die bestmögliche medizinische Versorgung aller Bevölkerungsgruppen.

Volkskrankheiten im Visier

Der demografische Wandel erfordert stetige Fortschritte insbesondere auf dem Gebiet der sogenannten Volkskrankheiten. In einer alternden Gesellschaft wächst die Zahl der Menschen mit Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-, Lungen- oder neurodegenerativen Leiden, wie z. B. der Alzheimerschen Krankheit. Auch psychische, allergische und Infektionskrankheiten sind auf dem Vormarsch. Eine Konzentration der Forschung in diesem Bereich ist deshalb von großer Bedeutung und kommt direkt vielen Menschen zugute. Mit steigendem Alter der Patientinnen und Patienten wächst auch der Bedarf an Therapien, die persönlich auf deren jeweiligen Lebensumstände zugeschnitten sind. Das Stichwort heißt individualisierte Medizin und ist ebenfalls Bestandteil der Forschung.

Um die Entstehung der Volkskrankheiten besser zu verstehen, untersucht die Forschung den Einfluss von Ernährung, Bewegung und sonstigem Verhalten sowie die Bedeutung möglicher Umweltfaktoren. Auch die individuelle Genetik der Patienten kann bei der Vorbeugung eine wichtige Rolle spielen und ist deshalb ebenso Gegenstand von Untersuchungen. Grundsätzliche Fragen nach dem Erfolg und der Funktionsweise von Präventionen lassen sich nur langfristig beantworten. Von daher zählen sogenannte Kohortenstudien (statistische Auswertungen von Daten von mehreren hunderttausend Patienten über viele Jahre hinweg) mit zu den Forschungsvorhaben.

Ein weiteres wichtiges Forschungsfeld ist die wirtschaftliche Seite einer immer besseren Medizin. Der rasante Fortschritt hier bewirkt nicht nur, dass Menschen immer älter werden und trotz Krankheiten ein selbstbestimmtes Leben führen können, er ist auch sehr teuer. Nur wenn es gelingt, die Kosten zu begrenzen und Gesundheit mit Ökonomie in Einklang zu bringen, kann eine optimale Gesundheitsversorgung für alle dauerhaft sichergestellt werden.

Neue Forschungszentren

Gegenwärtig forschen in Deutschland Ärzte, Biologen, Chemiker und andere Fachleute an 36 Universitätskliniken und 90 außeruniversitären Einrichtungen. Diese vernetzen sich immer enger und schließen sich zu „Zentren für Gesundheitsforschung“ zusammen. Damit wird auf nationaler Ebene eine hohe Arbeitsteilung und Effizienz in der medizinischen Forschung ermöglicht. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen können ihre Ergebnisse austauschen und gemeinsam aus ihrem jeweiligen Blickwinkel an der Beantwortung komplexer Fragen arbeiten. Darüber hinaus soll der Austausch von Wissen auch über Grenzen hinweg intensiver werden. Deshalb ist eine weitere Zielsetzung der medizinischen Forschung, die internationale Zusammenarbeit zu erleichtern.

Auf diese Weise soll auch die Attraktivität der wissenschaftlichen Einrichtungen für hochkarätige Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland sowie für den wissenschaftlichen Nachwuchs steigen und Deutschland zu einem Spitzenplatz in der Gesundheitsforschung führen. Es existieren inzwischen sechs solche Zentren, die sich jeweils einem der Themen rund um Volkskrankheiten widmen. Ein Beispiel dafür ist das seit 2009 bestehende Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) mit Sitz in München und Partnereinrichtungen an acht weiteren Standorten in ganz Deutschland.